Ulli Potofski: Die Stimme, die den deutschen Fußball jahrzehntelang trug

Ulli Potofski war ein deutscher Sportjournalist und Fernsehmoderator, der von 1984 bis zu seinem Tod am 2. August 2025 zu den prägendsten Reporterstimmen der Bundesliga zählte. Geboren am 7. Juli 1952 in Gelsenkirchen, brachte er als Erfinder der Sendung „Anpfiff“ bei RTL den Show-Charakter in die deutsche Sportberichterstattung – ein Format, auf dem später Sat.1s „ran“ aufbaute. Nach kurzer, schwerer Krankheit starb er im Alter von 73 Jahren in einem Krankenhaus in Krefeld.

Wer die Bundesliga der 1980er und 1990er Jahre am Bildschirm verfolgt hat, kennt diese markante, warme Stimme aus dem Ruhrgebiet. Bis zuletzt stand der gebürtige Schalker für den Sender Sky an der Seitenlinie – ein Berufsleben, das sich über gut fünf Jahrzehnte erstreckte.

Ulli Potofski: Vom Ruhrgebiet-Jungen zur Reporter-Legende

Radio Luxemburg, Puppenspieler und Plattenteller

Seine journalistische Laufbahn begann 1970 keineswegs im Fußball, sondern beim Sender Radio Luxemburg. In den frühen 1970er-Jahren tastete er sich durch verschiedene Rollen im Showgeschäft: Er trat als Puppenspieler auf, versuchte sich als Schlagersänger und legte als Discjockey auf. Erst 1979 fand er zum WDR-Hörfunk, wo er als Sportreporter Fuß fasste.

Der Sprung zu RTL und die Erfindung von „Anpfiff“

1984 wechselte der Gelsenkirchener zum jungen Privatsender RTL plus und übernahm dort bis 1992 die Leitung der Sportredaktion. In diese Zeit fällt sein wohl größtes Vermächtnis: Zusammen mit Helmut Thoma entwickelte er die Sendung „Anpfiff“, die von 1988 bis 1992 lief und die Fußballberichterstattung im deutschen Privatfernsehen revolutionierte. Homestorys machten aus Kickern Stars – ein Konzept, das später Moderatoren wie Reinhold Beckmann, Jörg Wontorra und Johannes B. Kerner bei „ran“ fortführten und weiter professionalisierten.

Über die damaligen Gehälter sprach er selbst mit einer gewissen Selbstironie: „Ich habe damals 10.000 Mark als Sportchef verdient. Ich habe das für viel Geld gehalten.“ Die eigentliche „Goldgräberzeit“ mit Jahresgehältern von einer halben Million D-Mark oder mehr begann für Kommentatoren erst mit dem Sat.1-Boom – zu einem Zeitpunkt, als er RTL bereits verlassen hatte.

Vom Bambi bis „Auf Schalke“: Die prägenden Karrierejahre

1989 wurde er mit dem Bambi als beliebtester Fernsehmoderator ausgezeichnet – ein Beleg dafür, wie tief er sich bereits ins Bewusstsein des Publikums eingebrannt hatte. 1993 moderierte er kurzzeitig das RTL-Format „Ein Tag wie kein anderer“, bevor er sich stärker in Richtung Fußball-Spezialformate orientierte.

Von 1998 bis 2002 führte er beim Deutschen Sportfernsehen (DSF) durch die Sendung „Auf Schalke“ – ein Format, das seine tiefe Verbindung zum Verein aus seiner Heimatstadt widerspiegelte. Parallel blieb er dem Showgeschäft nicht ganz fern: 2010 moderierte er kurzzeitig für den Verkaufssender sonnenklar.tv und verkaufte dort Reisen vor laufender Kamera.

Das Sky-Kapitel: Treue bis zum letzten Spieltag

Karriereverlängerung mit 70

Ab 2006 berichtete er für Premiere, den Vorläufer von Sky, über die Bundesliga – ein Engagement, das bis zu seinem Tod anhielt. Selbst mit 70 Jahren dachte er noch nicht ans Aufhören: 2023 verlängerte er seinen Vertrag bei Sky um weitere zwei Jahre und blieb damit Reporter-Urgestein einer Liga, die sich in den Jahrzehnten davor mehrfach komplett neu erfunden hatte.

Der tägliche Podcast „Herz, Seele, Ball“

Parallel zur klassischen TV-Arbeit betrieb er zuletzt einen eigenen, täglichen Podcast mit dem Titel „Herz, Seele, Ball“, der sich nicht ausschließlich dem Fußball widmete. Bemerkenswert: Nur zwei Tage vor seinem Tod meldete er sich noch einmal für eine Folge zu Wort – ein Ausdruck seiner Arbeitsmoral bis in die letzten Lebenstage.

Stationen im Überblick

Jahr(e)StationRolle
1970Radio LuxemburgEinstieg in den Journalismus
1979WDRSportreporter im Hörfunk
1984–1992RTL plusSportchef, Erfinder von „Anpfiff“
1989Bambi-VerleihungAusgezeichnet als beliebtester Moderator
1993RTLModeration „Ein Tag wie kein anderer“
1998–2002DSFModeration „Auf Schalke“
2006–2025Premiere/SkyBundesliga-Reporter
2010sonnenklar.tvModeration im Verkaufsfernsehen

Tod im August 2025: Abschied von einer Reporter-Legende

Am Sonntag, dem 2. August 2025, starb er nach kurzer, schwerer Krankheit in einem Krankenhaus in Krefeld. Bestätigt wurde die traurige Nachricht von seinem Bruder Norbert sowie seiner früheren Ehefrau Monika Potofski gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Er wurde 73 Jahre alt.

Reaktionen aus Fußball und Fernsehen

Die Trauer reichte weit über die Sportwelt hinaus. „Let’s Dance“-Juror Joachim Llambi würdigte ihn mit den Worten: „Dein Charme, deine Wärme, das war einzigartig.“ Fans erinnerten sich zudem an ein legendäres Interview mit Lothar Matthäus, das bis heute als Fernsehmoment in Erinnerung geblieben ist. Auch der FC Schalke 04 sowie zahlreiche Klubs aus Bundesliga und 2. Liga sprachen über Instagram und X ihr Beileid aus.

Privates: Der Schalke-Fan aus Leidenschaft

Wer in Gelsenkirchen aufwächst, kommt am Verein aus dem Stadtteil kaum vorbei – auch er wurde bereits als Kind von seinem Vater für den S04 begeistert und blieb zeitlebens Vereinsmitglied. Beruflich um Neutralität bemüht, ließ er seine Zuneigung zu den „Knappen“ dennoch immer wieder mit einem Augenzwinkern durchscheinen. Kolleginnen und Kollegen beschrieben ihn übereinstimmend als einen der umgänglichsten und zugänglichsten Charaktere im deutschen Fernsehjournalismus – jemand, dem es nie um die eigene Inszenierung ging, sondern um die Menschen und ihre Geschichten hinter dem Sport.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wie alt wurde Ulli Potofski?

Er wurde 73 Jahre alt. Geboren am 7. Juli 1952 in Gelsenkirchen, starb er am 2. August 2025 in einem Krankenhaus in Krefeld.

Für welche Sender hat Ulli Potofski gearbeitet?

Seine Laufbahn führte ihn über Radio Luxemburg, den WDR-Hörfunk, RTL plus, das DSF und schließlich Premiere beziehungsweise Sky, wo er bis zu seinem Tod als Bundesliga-Reporter aktiv war.

Woran ist Ulli Potofski gestorben?

Er starb nach Angaben seiner Familie nach kurzer, schwerer Krankheit am 2. August 2025 in einem Krankenhaus in Krefeld.

Was war Ulli Potofskis bekanntestes TV-Format?

Am bekanntesten wurde er als Miterfinder und Moderator der RTL-Sendung „Anpfiff“ (1988–1992), die als Vorbild für Sat.1s spätere Sendung „ran“ gilt.

Mehr lesen: Rebecca Reusch