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Regionalliga Nordost: Zwischen Tradition, Titeltraum und Aufstiegsfalle
Die Regionalliga Nordost ist die vierthöchste Spielklasse im deutschen Fußball und die sportliche Speerspitze des Nordostdeutschen Fußballverbandes. Sie vereint Traditionsclubs aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in einer 18er-Staffel, deren Meister sich den Aufstieg zur 3. Liga meist erst in einem nervenaufreibenden Play-off sichern muss. Kaum eine andere Liga zwischen Amateurfußball und Profigeschäft liefert so viel Drama wie diese Staffel im Osten der Republik.
Regionalliga Nordost: Struktur und Stellung im Ligasystem
Unterhalb der 3. Liga bilden fünf Regionalligen die vierte Ebene: Nord, Nordost, West, Südwest und Bayern. Die Nordost-Staffel gilt traditionell als eine der wettbewerbsstärksten, weil hier ehemalige Bundesliga- und Europapokalvereine aufeinandertreffen. Halbprofis kicken gegen Vollprofi-Kader, Regionalliga-Klassiker wie Halle gegen Jena füllen ganze Blöcke mit Gästefans – allein im Bruno-Plache-Stadion in Leipzig zählte man in der Saison 2025/26 über 6.600 Auswärtsfahrer bei einem einzigen Duell.
Organisiert wird der Wettbewerb vom NOFV, seit der DFB die Zuständigkeit für die Regionalliga 2012 an die fünf Landesverbände übertragen hat. Bis dahin existierten nur drei Staffeln – Nord, West und Süd – mit direktem Aufstiegsrecht. Diese Aufteilung wurde zerschlagen, fünf kleinere, geografisch homogenere Ligen entstanden.
Vom ersten Anlauf 1994 bis zum Neustart 2012
Der Name Regionalliga Nordost existierte bereits einmal zuvor: Von 1994 bis 2000 lief die Staffel als dritte Liga, bevor eine Reform sie wieder auflöste. Erst zur Saison 2012/13 kehrte die Bezeichnung zurück – diesmal als vierte statt dritte Ebene, direkt unterhalb der neu geschaffenen bundesweiten 3. Liga.
Erster Meister der reformierten Staffel war ausgerechnet RB Leipzig, seinerzeit noch ein Aufsteiger im deutschen Profifußball, der die Saison ungeschlagen beendete und postwendend in die 3. Liga durchmarschierte. Von 2012 bis 2015 spielten 16 Mannschaften in der Liga, seit 2015/16 sind es planmäßig 18 – mit Ausnahme der pandemiebedingt abgebrochenen Spielzeiten 2020/21 und 2021/22, als die Staffel vorübergehend auf 20 Teams anwuchs.
Die Meister seit der Neugründung
| Saison | Meister |
|---|---|
| 2025/26 | 1. FC Lok Leipzig (3. Titel) |
| 2024/25 | 1. FC Lok Leipzig |
| 2023/24 | Energie Cottbus |
| 2022/23 | Energie Cottbus |
| 2021/22 | BFC Dynamo |
| 2020/21 | FC Viktoria 1889 Berlin |
| 2019/20 | 1. FC Lok Leipzig |
| 2018/19 | Chemnitzer FC |
| 2017/18 | Energie Cottbus |
| 2016/17 | FC Carl Zeiss Jena |
| 2015/16 | FSV Zwickau |
| 2014/15 | 1. FC Magdeburg |
| 2013/14 | TSG Neustrelitz |
| 2012/13 | RB Leipzig |
Saison 2025/26: Meistertitel Nummer drei für Lok Leipzig – und trotzdem kein Aufstieg
Am letzten Spieltag setzte sich der 1. FC Lok Leipzig hauchdünn gegen Verfolger Carl Zeiss Jena durch: Beide Teams standen bei 72 Punkten, den Ausschlag gab am Ende die bessere Tordifferenz (+35 gegenüber +30). Für die Sachsen war es der dritte Titel innerhalb von sieben Jahren – nach 2019/20 und 2024/25.
| Platz | Verein | Punkte | Tordifferenz |
|---|---|---|---|
| 1 | 1. FC Lok Leipzig | 72 | +35 |
| 2 | FC Carl Zeiss Jena | 72 | +30 |
| 3 | FSV Zwickau | 64 | +8 |
| 4 | Hallescher FC | 63 | +27 |
| 5 | FC Rot-Weiß Erfurt | 61 | +21 |
| 6 | VSG Altglienicke | 53 | +10 |
Der Titel brachte Trainer Jochen Seitz und seiner Mannschaft allerdings kaum Zeit zum Feiern. Direkt nach dem Schlusspfiff ging es an die Vorbereitung auf die Aufstiegsspiele zur 3. Liga – zum wiederholten Mal eine Zerreißprobe zwischen Meisterjubel und Existenzfrage.
Warum der Meister nicht automatisch aufsteigt
Anders als in West oder Südwest gibt es für Nordost keinen Fixplatz nach oben. Seit der DFB-Reform von 2019 rotiert ein direktes Aufstiegsrecht zwischen den Champions aus Nord, Nordost und Bayern; die jeweils übrigen zwei Staffelsieger kämpfen im Hin- und Rückspiel um den letzten freien Platz in der 3. Liga.
In der Saison 2025/26 ging der Rotationsplatz an Meister SV Meppen aus der Staffel Nord. Lok Leipzig musste deshalb gegen den bayerischen Vertreter Würzburger Kickers antreten – und verlor beide Duelle mit insgesamt 1:3. Die Sachsen scheiterten damit bereits zum dritten Mal an der Relegation zur 3. Liga, trotz Meistertitel. Für die kommende Spielzeit dreht sich das Rad erneut: Die Rotation sieht vor, dass Nordost 2026/27 den direkten Aufstiegsplatz erhält, während sich Nord und Bayern in der Relegation gegenüberstehen.
Der Neustart: Diese Vereine greifen in der Saison 2026/27 an
Der Ball rollt zum Saisonstart zwischen dem 24. und 26. Juli 2026 wieder, die Winterpause beginnt am 14. Dezember, das Finale ist für den 21. bis 23. Mai 2027 terminiert. Prominenter Neuzugang ist der FC Erzgebirge Aue, der nach dem Abstieg aus der 3. Liga erstmals überhaupt viertklassig antritt. Auch Lok Leipzig bleibt nach der verlorenen Relegation eine feste Größe der Staffel.
Das Teilnehmerfeld im Überblick:
Absteiger aus der 3. Liga: FC Erzgebirge Aue
Unterlegener aus der Aufstiegsrelegation: 1. FC Lokomotive Leipzig
Etablierte Regionalligisten: FC Carl Zeiss Jena, FSV Zwickau, Hallescher FC, FC Rot-Weiß Erfurt, VSG Altglienicke, Chemnitzer FC, BFC Preussen, 1. FC Magdeburg II, FSV 63 Luckenwalde, SV Babelsberg 03, BFC Dynamo, BSG Chemie Leipzig, Hertha BSC II, Greifswalder FC
Aufsteiger aus der Oberliga Nordost: SV Tasmania Berlin (Staffel Nord), RSV Eintracht Stahnsdorf (Staffel Süd)
Traditionsreiche Namen mit europäischer Vergangenheit
Kaum eine andere Regionalliga vereint so viel Historie unter einem Dach. 1. FC Magdeburg holte 1974 den Europapokal der Pokalsieger – bis heute der einzige internationale Titel für einen ostdeutschen Verein. FC Carl Zeiss Jena, gegründet 1903, stand zweimal im Finale eines Europapokal-Wettbewerbs. 1. FC Lokomotive Leipzig, 1893 aus dem VfB Leipzig hervorgegangen, erreichte 1987 das Finale im Europapokal der Pokalsieger.
Diese Namen erklären, weshalb Zuschauerzahlen und Gästeblöcke in der Nordost-Staffel oft höher liegen als in mancher Zweitliga-Partie – und weshalb die Debatte um eine grundlegende Regionalliga-Reform, die künftig allen fünf Meistern den Direktaufstieg ermöglichen soll, gerade aus dieser Region besonders laut geführt wird.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wie viele Vereine spielen aktuell in der Regionalliga Nordost?
Die Liga ist regulär mit 18 Mannschaften besetzt. Nur während der pandemiebedingt abgebrochenen Spielzeiten 2020/21 und 2021/22 stieg die Zahl vorübergehend auf 20 Teams, bevor sie zur Saison 2022/23 wieder auf 18 zurückgeführt wurde.
Steigt der Meister der Regionalliga Nordost automatisch in die 3. Liga auf?
Nein. Nur ein rotierender Direktplatz wird jede Saison zwischen den Meistern von Nord, Nordost und Bayern vergeben. Die beiden übrigen Staffelsieger ermitteln den letzten freien 3.-Liga-Platz in einer Relegation über Hin- und Rückspiel.
Welche Vereine spielen in der Saison 2026/27 in der Regionalliga Nordost?
Neu dabei sind Absteiger FC Erzgebirge Aue sowie die Aufsteiger SV Tasmania Berlin und RSV Eintracht Stahnsdorf. Dazu kommen etablierte Clubs wie Carl Zeiss Jena, Hallescher FC, FSV Zwickau, Chemnitzer FC und Rot-Weiß Erfurt sowie Relegationsverlierer 1. FC Lokomotive Leipzig.
Wie oft war Lok Leipzig schon Meister der Regionalliga Nordost?
Der 1. FC Lokomotive Leipzig gewann den Titel bislang dreimal – 2019/20, 2024/25 und 2025/26. Den Sprung in die 3. Liga verpasste der Verein trotzdem jedes Mal in der anschließenden Relegation.
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